Montag, 19. April 2010

8. Tag - Sozialstation, Lycée de Pout, Waisenhaus in Mbour - und endlich Mar Setal

Diesen Freitag Morgen machen sich alle im roten Tenue zur Abfahrt bereit.

Am Depot wird der Anhänger noch mit den Kleiderkisten, dem Babyspielzeug und Reissäcken für das Waisenhaus in Mbour beladen, dann fahren alle bis auf Dieter und Daniela zur Sozialstation.

Diese beiden packen 12 Laptops in den Kadett und bitten Ibrahima SY um Begleitung. Der pensionierte Schulleiter ist uns eine große Hilfe, wir hätten das Gymnasium von Pout sonst wahrscheinlich lange gesucht.


In dem vor zwei Jahren neu errichteten Campus werden etwa 1000 Schüler unterrichtet. Der Informatikraum soll um die Laptops erweitert werden, damit auch jeder Schüler der Informatikklasse an einem Gerät arbeiten kann. Wir treffen erst den Schulleiter, der uns herzlich begrüßt und dann mit uns zur Bibliothek geht, die gleichzeitig auch Informatikraum ist.

Die Lehrerin freut sich ebenfalls über die gespendeten Geräte und wir beginnen gleich mit dem Aufbau. Alles funktioniert tadellos, nach zwanzig Minuten sind alle Laptops angeschlossen und können ins Internet. Wie auch in der Ousmane Ngom Realschule stellen wir fest, dass hier keine freien Programme genutzt werden, sondern das Microsoft Paket. Scheinbar verfolgt der Konzern hier eine andere Lizenzpolitik. 

Wir verabschieden uns und fahren zurück nach Thiés.

In der Sozialstation wird unsere Gruppe herzlich empfangen. Viele behinderte Menschen und bedürftige sind da, der Präfekt und die Leitung der Station. Der Präfekt erklärt dem Publikum wie wichtig die Unterstützung durch unseren Verein sei und die Reisspende auch über einige Hürden hinweghelfe. Der senegalesische Staat stehe immer hinter unserer Tätigkeit und würde uns keine Steine in den Weg legen. - Das war eine klare Steilvorlage für uns. Franz-Josef Frye erklärt dem Präfekten, dass wir seit Tagen auf die Freigabe des gespendeten Krankenwagens warten würden und der Staat diesen nur gegen eine Kaution von 1.200 Euro freigeben würde, weil vermeintlich nicht deklarierte Ware im Fahrzeug sei. Der verdutze Präfekt sicherte zu, er werde alles in seiner Macht stehende tun, dass der Krankenwagen schnell nach Thiés kommen könne. - Inschallah.

Jedenfalls ist die Botschaft angekommen.


Um ein Uhr fahren wir dann mit zwei Fahrzeugen und Anhänger los nach Mbour. Die Straße ist gut ausgebaut und wir erreichen das Waisenhaus zügig. Der Reis, die Kleider und die Spielsachen werden gerne in Empfang genommen.

Wir erhalten eine Führung durch die verschiedenen Stationen.

Die Krankenschwester weist uns an, die Hände zu waschen und vor den Stationen die Schuhe ausziehen. Dann treten wir in einen Saal, in dem 44 Babies von 3 bis 8 Monaten schlafen, krabbeln und sich auf Besuch freuen. Die Station wird von 4 Krankenschwestern geleitet, die von freiwilligen Helferinnen in Schichtarbeit unterstützt werden. Es sind sogar zwei Französinnen da, die ein Praktikum machen.

Die kleinen Kinder wachsen uns schnell ans Herz. Es sind rührende Bilder.

Wir besuchen noch eine weitere Station der ganz kleinen und auch eine der Kinder, zwischen 8 Monaten und einem Jahr. Die freiwilligen Helferinnen werden auch geschult in Kinderpsychologie, sogar Sprachunterricht wird eingeflochten. Eigentlich ist dies eine ideale Vorbereitung für die zukünftigen Mütter. Die Krankenschwester erklärt, dass die Kinder dann meist wieder innerhalb der Familie oder Verwandtschaft unterkommen, wenn sie 1 Jahr alt sind. Kinder, die keine Familie mehr haben, oder nicht mehr zurück können, bleiben in dem Heim und erhalten dort auch eine Schulbildung.

Nur schwer können wir uns trennen.

Auf der Weiterfahrt nach Ndangane fliegen wir ein paar Mal über die Drempel auf der Straße und hauen uns fast den Kopf am Wagendach. In der Nachmittagssonne kann man diese Verkehrsberuhigungsmaßnahmen kaum vom Schattenwurf der Bäume unterscheiden. Nach der Ruckelfahrt kommen wir schließlich am Anleger an. Wir packen unsere Sachen auf die Piroge und haben schon mit Vorfreude unser Ziel auf der anderen Flußseite im Auge: Kurt und Adia Wiesbauer's Mar Setal.


Nach einem Flag oder Cola auf dem Steg geht es uns allen gut. Jetzt sind 2 Tage Entspannung angesagt. Es ist auch wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, zwischen den intensiven Arbeitstagen die Erlebnisse zu überdenken, verarbeiten, diskutieren. Wir alle finanzieren unsere Reise aus eigener Tasche und mit Urlaubstagen bzw. freier Zeit.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen