Samstag, 24. April 2010

14. Tag + Rückkehr - Aufräumen, Abschiednehmen, Heimreise


Auch heute startet der Tag mit hohen Temperaturen. Der staubige Wind hat zwar etwas nachgelassen, aber die Hitze bleibt.

Werner und Dieter bringen noch einen Rollstuhl für schwerstbehinderte Menschen zur Sozialstation. Aliou wird eingewiesen, dass ein Fahrrad noch zur Gehörlosenschule muss. Franjo und Josef machen am Depot klar Schiff. Und der Trecker wird bis zu seinem nächsten Einsatz in den Container gefahren.

Die Einladung noch eine Grundschule zu besuchen, wird ausgeschlagen. Die Zeit wird für uns Europäer wieder knapp. Die zwei Wochen sind zusammengeschrumpft auf noch wenige Stunden in dem schönen Land mit diesen so gastfreundlichen und wunderbaren Menschen.

Wir packen die Koffer. Und packen wieder alles um. Die ganzen Souvenirs und Holzschnitzereien wiegen doch mehr als gedacht. Wer hat noch ein Plätzchen frei für eine Holzmaske 1 m x 20 cm? Wer kann noch Zigaretten mitnehmen? Um drei Uhr sind alle Koffer und Djembé-Pakete in den Fahrzeugen und auf dem Nissan-Dach verstaut.

Jetzt heißt es Abschied nehmen!

Umarmungen, beste Wünsche für die Reise, herzliche Grüße und alles Liebe für die Familien. Der Wunsch auf ein baldiges Wiedersehen. Von beiden Seiten.


Die Fahrt nach Dakar dauert nur 2 Stunden. Wir kommen gut durch, der Stau an der Baustelle ist dieses Mal nicht so lang.


Am westlichsten Zipfel "Pointes des Almadies" genießen wir die letzten Stunden, bevor wir zum Flughafen fahren. Die frische Seeluft am Atlantik kühlt. Der blühende Garten und der Rasen am Restaurant "Le Récife" stimmen uns schon auf Deutschland ein. 

Die Sitzplatzreservierung hat Franz-Josef bereits in Thiés gemacht, somit können wir ohne lange Schlange zu stehen unser Gepäck aufgeben und dann noch in der Abflughalle warten. Pünktlich kommen wir weg und landen dann auch in time in Madrid. Entgegen unseren Befürchtungen erwarten uns um 4 Uhr morgens weder überfüllte Abflughallen, mit gestrandeten Urlaubern, noch Anzeigetafeln mit gestrichenen Flügen, sondern ganz normaler Flughafenbetrieb. Die Geschäfte sind bis auf Mäc Do noch zu und so verbringen wir dort unsere Zeit, bis unser Flug um 8:55 Uhr weiter geht.


Heile in Düsseldorf angekommen werden wir auch schon wieder von den Kollegen in Empfang genommen und nach Lüdinghausen zurückgefahren. Ein liebevoller Empfang durch die Frauen und Mütter macht das Ankommen hier leicht. Es ist, als wäre man nicht weg gewesen - und doch...

Es ist eine total schöne Zeit im Senegal gewesen.

Wir haben viele Güter hingebracht aber viel mehr Güte dort erfahren und wieder mit zurückgenommen.

Diese Dankbarkeit geht weiter an alle Menschen hier in Deutschland, die andere Menschen im Senegal und anderswo unterstützen. In welcher Form auch immer!

Das ist der Kern von der "Entwicklungshilfe" - ihr und wir sind eine Welt.


Mittwoch, 21. April 2010

13. Tag - Deutschbücher, DIDEC, Mikrokredit, Gehörlosenschule

Franjo und Josef fahren schon um 6 Uhr mit Aliou nach Dakar. Sie sind vor der großen Rush Hour beim Goethe-Institut und holen 200 Exemplare des Schulbuchs "Ihr und wir" ab. Das Lehrmittel wurde komplett überarbeitet und soeben neu veröffentlicht. Die Textbücher und Arbeitshefte sollen in 5 Schulen verteilt werden.
Aissatou nutzt noch die letzte verbleibende Zeit, um den Krankenwagen aus dem Zoll zu kriegen, aber es ist nichts zu machen. Die drei fahren somit ohne Ambulanzfahrzeug nach Thiés zurück. Dann werden halt Aliou und ein weiterer Fahrer das Fahrzeug aus dem Hafen abholen müssen.


Unser Kooperationspartner DIDEC holt die Reissäcke für die Familien der von unseren Schulpaten unterstützten Kinder ab. Wir sind froh, dass wir auch dieses Jahr diesen Familien wieder eine Reisspende zuteilen können.

Am Mittag trifft der Dorfvorsteher von Keur Banda ein. Mit Herrn NIANG wurde ein Mikrokredit vereinbart. Er erhält den Microfinance-Vertrag mit den Rückzahlungsmodalitäten vorgelegt und erklärt sich mit den Bedingungen einverstanden. Mit dem Kredit will die Dorfgemeinschaft in einem Teil des Schneideratelier-Containers an der Hauptstraße einen kleinen Laden einrichten. Es sollen Dinge des täglichen Bedarfs verkauft werden, die in den kleinen Ortschaften nicht erhältlich sind sowie dann auch eigene Produkte aus dem Gartenprojekt.

Kerstin und Werner besuchen noch den Kunsthandwerkermarkt - es gibt so viele schöne Sachen zu kaufen. Die Kofferwaage wird schon heute eingesetzt um zu gucken, was noch geht!


Um 16 Uhr stehen wir wieder in Tenue ROT auf der Matte. Heute wird der Grundstein der neuen Gehörlosenschule in Thiés errichtet. Es gibt nur etwa 3 Schulen für Gehörlose im Senegal. Die bisherige Schule in Thiés ist sehr heruntergekommen und reicht für die mittlerweile auf 35 Kinder angewachsene Schülerzahl nicht mehr aus.

Die neue Schule wird genug Platz bieten - und sie ist ausbaufähig. Die Sensibilität für die Bedürfnisse und die Förderung behinderter Menschen wächst auch im Senegal. Die Tatsache, dass die Stadt und die Ministerien Abgeordnete schicken ist schon ein Zeichen dafür. Als dann der Bürgermeister DIATARA noch zusagt, dass in Zukunft die Stadt für die Besoldung der Gehörlosenlehrer einsteht, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.

Die Freude ist auch bei den Schülern zu spüren, für die einer der 3 Lehrer in Gebärdensprache übersetzt. Sie winken freudig mit beiden Händen, dem Zeichen für Applaus.

Nach 4 Stunden sind wir alle etwas verschwitzt und müde wieder im Hotel. Für Dieter und Franjo geht das Schwitzen gleich in der Küche weiter. Sie haben uns für heute Abend Reibekuchen und Apfelmus versprochen! Sozusagen die Akklimatisierungskost für Deutschland. Unser Flug für morgen Abend bis nach Madrid ist bestätigt!


12. Tag - Kindergarten, Schule, ASPAIL, Balambrock

Da der Krankenwagen noch immer nicht durch den Zoll ist, fällt ein großer Arbeitsposten weg. Es ist sehr ärgerlich, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden dieses Mal nicht klappt.

Kerstin, Andrea, Daniela, Dieter und Werner bringen Spielsachen und einen Karton mit Besteck fürs Mittagessen in den Kindergarten St. Anne. In dem Kindergarten werden etwa 160 Kinder betreut. Die Kinder sind nach ihrem Alter in kleine Gruppen eingeteilt - wie bei uns haben diese auch Namen ... Sie werden entsprechend ihres Alters gefördert und für die Schule vorbereitet. Mit 5 Jahren haben die Kinder bereits den Umgang mit Zahlen und Rechnen gelernt, können Buchstaben schreiben, haben einen Grundwortschatz in Französisch.
Mit großer Freude singen die Steppkes uns Lieder vor, klatschen und tanzen.
Wir stellen fest, dass der Kindergarten noch Bedarf an Kinderkleider hat und Matratzen, damit sich die Kinder darauf ausruhen können. Die bringen wir gleich auch noch vorbei. Die fünf Kindergärtnerinnen freuen sich darüber.

Danach bringen wir gespendete Schultornister mit Überraschungsinhalt in die Grundschule Annexe Malick Sy. In Klassen bis zu 80 Schülern werden die Kinder dort unterrichtet. Wenn ein Kind den Kindergarten besucht hat, wird es mit 6 Jahren eingeschult, ansonsten herrscht "Schulpflicht" ab 7 Jahren. Mit einem sehr straffem Programm und unter widrigen Bedingungen arbeiten die Kinder und Lehrer. Zu dritt oder viert sitzen sie an den Pulten, es ist sehr warm in den Klassenräumen unter dem Blechdach. Der Unterricht wird frontal gehalten und ist sehr rigide. Wir überlegen, ob wir überhaupt die Rechenaufgaben noch ohne Taschenrechner lösen könnten, die in der 5. Klasse an der Tafel stehen.
Der Konrektor verspricht uns, dass das Kollegium sich bespricht und wenn möglich die Schultornister jenen Schülern zur Verfügung stellen wird, die aus armen Verhältnissen kommen.

Um 11 Uhr sind wir zur Einweihung des neuen Ausbildungscenters von ASPAIL eingeladen. Die aus senegalesischer Initiative entstandene Ausbildungsstätte wird seit Jahren von dem deutschen Verein Stenos-Phanos e.V. begleitet. Dieter Palapys ist ein alter Mitstreiter von Franz-Josef Frye und früherer "Nachbar" in der Werkstatt an unserem Depot. Jetzt endlich, nach 12 Jahren hat die Organisation eine eigene Werkstatt auf eigenem Grund.
Es werden dort elektrische Maschinen repariert und Motoren neu gewickelt. Die jungen Menschen werden  von anderen Senegalesen ausgebildet. Das Übertragungscorps der Armee unterstützt die ASPAIL bei der Ausbildung der Ausbilder.

Die Einweihungszeremonie dauert lange, verschiedene Honorationen und Delegierte sprechen - aber es gibt auch neben den traditionellen Förmlichkeiten auch kritische Stimmen. Ein Redner sagt, dass es eigentlich eine Schande ist, dass der Staat nicht in der Lage sei, solche Ausbildungsstätten zu schaffen. Der Delegierte vom Bildungsministerium sichert zu, dass zukünftig die handwerkliche, technische Tätigkeit auch als Beruf anerkannt werde. Dass damit dann auch die Voraussetzung für die handwerkliche Bildung entstehe.

Wir hoffen mit Dieter und Karin Palapys, dass die Einrichtung als Beispiel dient und in Thiés Schule macht. Dass die Senegalesen die Werkstatt und Ausbildungsstätte in ihrem Sinne fortführen.

Eine kleine Gruppe von uns fährt anschließend noch in das Dorf Balambrock. Dort wohnt ein Mädchen, für das eine Klasse der Ascheberger Realschule die Schulpatenschaft übernommen hat. Wir alle finden das ein tolles Engagement!
Die kinderreiche Familie soll nun auch noch einen Sack Reis, Kinderkleidung und eine Matratze  erhalten. Kato und ihre Geschwister schlafen auf einer Bastmatte auf dem Betonfußboden. Es gibt in dem Haus nur eine Matratze für die Eltern oder für die Großeltern. Die Frauen des Hauses zeigen uns ihre Erdnuss-Ernte, die sie jetzt auf runden Blechen sorgfältig rösten. Das schmeckt köstlich! Die kleinen Mädchen zeigen uns eifrig, wie dann die Erdnüsse im Mörser zerstampft werden um eine Erdnusssauce zu machen.

Alle freuen sich sehr über die Geschenke und es werden bestimmt in den nächsten Tagen im ganzen Dorf Kinderkleider anprobiert, getauscht und gegen andere benötigte Dinge eingetauscht.


Heute Abend sind wir vom Patron und der Belegschaft des Hotels Rex zum Essen eingeladen. Der Koch kredenzt uns einen wunderbaren Fisch (Dhiof) mit Petersilienkartoffeln, Reis und einer schönen Salatplatte. Zum Dessert gibt es Fruchtsalat (aus der Dose) mit frischen Bananen. Kerstin haut rein!

Dienstag, 20. April 2010

11. Tag - Diass Palam, Deutschclub, Fußball und Croix Rouge

Heute erwartet uns wieder ein strammes Programm. Josef, Franjo und Aliou sind in aller Frühe bereits mit dem Traktor plus Begleit-Kadett losgefahren ins 15 km entfernte Diass Palam. Welches Fahrzeug dann im Notfall welchem Hilfe leisten würde, kann sich jeder denken (siehe 5. Tag)...

Wir machen uns dann etwas später auf den Weg und treffen die drei vor dem Dorf. In der traditionellen senegalesischen Dorfgemeinschaft leben die Großfamilien in ihren Rundhäusern/Ziegelsteinhäusern. Im umzäunten Hof stehen auch noch Nebengebäude wie Küche, Toilette, Wasserstelle und manchmal auch ein Stall. Der Hof ist mit Flechtzaun, Palmenblättern oder sogar Steinmauern umgeben, damit Sand und Staub ferngehalten werden. Treffpunkt ist ein schattenspendender Baum im Dorf. Meistens sitzen dort ein paar Menschen. Sobald aber Besuch kommt, kommen aus allen Höfen Kinder, Frauen und Männer hinzu.

In Diass Palam soll heute ein Teil eines Ackers gepflügt werden. Der Gülde-Trecker, den Josef Klaverkamp und Walter Soebe in vielen Arbeitsstunden komplett überholt und für den Senegal gespendet haben, kann von den Dörfern angefordert werden, in denen die O.N.G. Projekte begleitet. Wir erklären der versammelten Dorfbevölkerung diese Aktion und wollen ihnen das Pflügen auf einem ihrer Felder vorstellen.

Mit den traditionellen Handwerkzeugen kann der Boden nicht ausreichend gelockert werden. Der Traktor mit Pflug und Egge wird also die Feldarbeit erleichtern und auch bessere Erträge bringen.

Unter Applaus fährt Josef mit dem Gülde in Richtung Feld. Es ist kaum zu glauben, dass auf dem trockenen, steinharten Boden überhaupt etwas wachsen kann. Die Erde ist jedoch sehr nähtstoffreich und wird auch immer wieder von den durchziehenden Vieherden gedüngt. Aber ihre Ertragskraft zeigt sie erst in der Regenzeit, wenn alles Grün in die Höhe schießt.
Die ersten Meter geht die Schar auch kaum in die Erde rein. Werner stellt sich als Zusatzgewicht auf den Pflug - so klappt es. Es werden einige Furchen gezogen, das liegengebliebene Hirsestroh wird gleich untergemengt.


Die ganze Dorfgemeinschaft schaut sich die Demonstration an. Beifälliges Nicken ist zu sehen, Staunen und auch Skepsis. Der Boden wird um diese Jahreszeit normalerweise gar nicht bewirtschaftet. Zeit für die Landwirtschaft wird es erst im Juni, wenn die Regenzeit einsetzt.

Es werden dann hauptsächlich Erdnüsse gepflanzt, Tomaten, Auberginen, Melonen und Maniok. Wenn der Boden künstlich bewässert wird, können diese Pflanzen und noch weitere auch in der übrigen Zeit angebaut werden. Das Entscheidende ist immer das Wasser. Und um diesen Punkt geht es auch in dem Gespräch, das wir anschließend mit den Dorfvorstehern und Gesandten der 8 Dörfer führen, die zum Wasserversorgungsgebiet von Diass Palam gehören. Es soll im nächsten Jahr ein Gartenbauprojekt entstehen. Ziel dieses Projektes ist die ausreichende und bessere Versorgung der Dorfbevölkerung mit Nahrungsmittel und der Kampf gegen die Armut. Durch Einnahmen aus dem Verkauf von Produkten entstehen z.B. für die jungen Männer im Dorf neue Perspektiven, sie wandern nicht mehr ab in die Städte und verarmen möglicherweise dort. Die Dorfbevölkerung hat ein Einkommen und kann sich auch Reis, Schulhefte, Stifte, Kleider kaufen. Kurz: Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Palaver dauert lange. Es wird über jeden Punkt der Infrastruktur lange geredet. Kerstin schaut mich verwundert an: "jetzt haben die 20 Minuten über ein und dasselbe geredet". So ist das hier. Jeder sagt etwas zum Thema. Keiner will zu fordernd sein, aber auch nicht zu zurückhaltend. Jeder hat eine Meinung und will gehört werden, und auch wenn alle sich eigentlich einig sind, wird nicht eher entschieden, als dass der Dorfvorsteher oder der Handelspartner die geteilte Meinung ausspricht. Sehr demokratisch. Aber halt auch sehr langwierig.

Schließlich sind sich alle über die Größe und Lage des erforderlichen Wasserturms einig, die Maße des Wirtschafts- und Lagerraums, die Anzahl von Brunnen und Schöpfstellen und die Art der Umzäunung. Auch der Zeitrahmen in dem das Projekt realisiert werden soll, steht. Inschallah.

Alle sind zufrieden. Auch die Kinder strahlen mit Bonbons im Mund. Wir fahren wieder zurück nach Thiés. Josef und Franjo bleiben noch ein paar Stunden und üben mit Aliou das Pflügen.

Um 15 Uhr sind wir beim Deutschclub des Gymnasiums Malick Sy eingeladen. Kurzfristig wird der Termin um eine Stunde verschoben - "nichts ist im Senegal so veraltet, wie der Plan von vor einer halben Stunde" pflegt Werner solche Situationen zu kommentieren. Wir nehmen es gelassen. Genau so wie die Nachrichten aus Europa, dass wegen des Eyjafjalla die Flüge eingestellt wurden. Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen passiert...

Im Mehrzweckraum des Lycée Malick Sy, das etwa 4000 Schüler besuchen, werden wir freundlich empfangen. Der Deutschclub ist eine Art AG der drei Deutschlehrer des Gymnasiums.
Einige der SchülerInnen nehmen demnächst sogar an einem überregionalen Deutsch-Wettbewerb im Senegal teil. Der Konrektor hält große Stücke auf die AG und deren Schüler.
Die etwa 90 Jugendlichen haben ein buntes Programm zusammengestellt mit deutschen Gedichten, die sie selbst geschrieben haben, mit einem selber choreographierten Hip-Hop-Tanz, mit Rap, Nena, 50cents.
Der Deutschclub ist ein sehr engagierter Club, der auch die Eigeninitiative der Lernenden widerspiegelt. Die O.N.G. Hilfe für Senegal unterstützt das Engagement mit einem Beitrag fürdas kommende Schulfest, wo der Deutschclub unsere Kultur vorstellen wird.
Die Jugendlichen freuen sich aber über jede Minute, in der sie sich in dieser "schweren Sprache" mit uns unterhalten können. Leider bleibt dafür nicht mehr so viel Zeit. Denn wir müssen gleich weiter zum Finalspiel der Jugendfußballer.

Perspektiven, Motivation, Freude ist auch hier das Ziel, das wir mit dem Engagement verfolgen. Die Jugendfußballer spielen in Badelatschen, mit flatterndem Trikot und unterschiedlichen Hosen. Manchmal hat eine Mannschaft auch ein Oberteil zuwenig, dann wird ein farblich passendes dazugenommen - bei uns selbst bei den Minikickern unvorstellbar! Gerne werden deshalb abgelegte Trikotsätze von unseren Regionalmannschaften übernommen.

Eine ganze Mannschaft in Badelatschen!


Leider sind in diesem Jahr die im Container verschifften Trikots und große Mengen Fußbälle bei der Zollkontrolle entwendet worden. Wir können also nur ein paar Sportschuhe, einige Einzeltrikots und Bälle überbringen. Dennoch freuen sich die Jugendlichen nach dem mit viel Einsatz gespielten Finale. Dass wir sie ermutigen, weiter zu machen, ist klar! Die Siegermannschaft und auch der Vize und die dritte Mannschaft erhalten einen Zuschuss für die Mannschaftskasse. Mannschaft schreibe ich? - Zu einem Team gehören sogar zwei Mädchen!

Anschließend fahren wir zum Roten Kreuz, das uns für die gute Zusammenarbeit zu einer kleinen Feier in ihr Hauptquartier eingeladen hat. Die Organisation hat von uns Farbe, Liegen, Gehhilfen und einen Kühlschrank erhalten. Danach bietet der Leiter des Roten Kreuzes Herr NDIONG uns das Abendessen im Hotel Rex an. Es gibt Lamm (ohne Inhalt) und Zwiebelsauce. Kerstin kommt bei diesem Essen eindeutig zu kurz: es gibt als Beilage nur trocken Brot!

Montag, 19. April 2010

9. Tag und Sonntag - "endlich Wochenende" :-)

Wir verbringen den Samstag gemütlich. Eine Gruppe fährt zwar schon morgens um 8 Uhr mit der Piroge raus zum Angeln, aber dieser Sport ist ja nun auch nicht sooo anstrengend. Die andere Gruppe macht sich etwas später mit einer Calèche auf den Weg. Wir besuchen 2 Dörfer - und unterstützen die Marktfrauen indem wir tüchtig Souvenirs kaufen.


Mittags legen die Angler wieder am Steg an und landen ihren Fang an - 2 große Rochen, Barsche und kleinere Fische. Das gibt ein leckeres Abendessen.

Am Nachmittag diskutieren wir viel, versuchen die Mentalität der Senegalesen besser zu erfassen. Es sind interessante Gespräche.

Ein bisschen Sport darf nicht fehlen und wir lachen viel beim Wasserballspiel.

Nach dem Abendessen treffen aus dem Nachbardorf einige Frauen ein, die für uns singen und tanzen. Die lebhaften Tänze gefallen uns gut - und weil auch wir etwas steifen, eins-zwei-drei-gewohnten EuropäerInnen bei dem Tanz nichts falsch machen können, haben alle von uns großen Spaß.

Wir singen auch ein paar deutsche Lieder mit Gitarrenbegleitung durch Franz-Josef Frye. Als wir signalisieren, dass wir auch ihre Lieder kennen lernen wollen, werden wir herzlich eingeladen.

Für Sonntag werden wir auch zur Messe eingeladen. Doch da steht schon die Abreise an.

Wir verlassen das wunderschöne Campement auf der Halbinsel Mar Lodj und fahren über die Pistenstraße nach Joud.

In Bandia machen Kerstin, Andrea, Daniela, Christoph und Werner nochmals Halt und besuchen den dortigen Tierpark. Auf 400 ha Buschland und Savanne gibt es Nashörner, Gazellen, Kudus, Antilopen, Giraffen, Warzenschweine, Affen, Krokodile und Schildkröten zu sehen.

Die andere Gruppe ist schon zum Hotel zurückgefahren und bereitet die nächste, die letzte Woche vor. Wie schnell die Zeit vergeht!



8. Tag - Sozialstation, Lycée de Pout, Waisenhaus in Mbour - und endlich Mar Setal

Diesen Freitag Morgen machen sich alle im roten Tenue zur Abfahrt bereit.

Am Depot wird der Anhänger noch mit den Kleiderkisten, dem Babyspielzeug und Reissäcken für das Waisenhaus in Mbour beladen, dann fahren alle bis auf Dieter und Daniela zur Sozialstation.

Diese beiden packen 12 Laptops in den Kadett und bitten Ibrahima SY um Begleitung. Der pensionierte Schulleiter ist uns eine große Hilfe, wir hätten das Gymnasium von Pout sonst wahrscheinlich lange gesucht.


In dem vor zwei Jahren neu errichteten Campus werden etwa 1000 Schüler unterrichtet. Der Informatikraum soll um die Laptops erweitert werden, damit auch jeder Schüler der Informatikklasse an einem Gerät arbeiten kann. Wir treffen erst den Schulleiter, der uns herzlich begrüßt und dann mit uns zur Bibliothek geht, die gleichzeitig auch Informatikraum ist.

Die Lehrerin freut sich ebenfalls über die gespendeten Geräte und wir beginnen gleich mit dem Aufbau. Alles funktioniert tadellos, nach zwanzig Minuten sind alle Laptops angeschlossen und können ins Internet. Wie auch in der Ousmane Ngom Realschule stellen wir fest, dass hier keine freien Programme genutzt werden, sondern das Microsoft Paket. Scheinbar verfolgt der Konzern hier eine andere Lizenzpolitik. 

Wir verabschieden uns und fahren zurück nach Thiés.

In der Sozialstation wird unsere Gruppe herzlich empfangen. Viele behinderte Menschen und bedürftige sind da, der Präfekt und die Leitung der Station. Der Präfekt erklärt dem Publikum wie wichtig die Unterstützung durch unseren Verein sei und die Reisspende auch über einige Hürden hinweghelfe. Der senegalesische Staat stehe immer hinter unserer Tätigkeit und würde uns keine Steine in den Weg legen. - Das war eine klare Steilvorlage für uns. Franz-Josef Frye erklärt dem Präfekten, dass wir seit Tagen auf die Freigabe des gespendeten Krankenwagens warten würden und der Staat diesen nur gegen eine Kaution von 1.200 Euro freigeben würde, weil vermeintlich nicht deklarierte Ware im Fahrzeug sei. Der verdutze Präfekt sicherte zu, er werde alles in seiner Macht stehende tun, dass der Krankenwagen schnell nach Thiés kommen könne. - Inschallah.

Jedenfalls ist die Botschaft angekommen.


Um ein Uhr fahren wir dann mit zwei Fahrzeugen und Anhänger los nach Mbour. Die Straße ist gut ausgebaut und wir erreichen das Waisenhaus zügig. Der Reis, die Kleider und die Spielsachen werden gerne in Empfang genommen.

Wir erhalten eine Führung durch die verschiedenen Stationen.

Die Krankenschwester weist uns an, die Hände zu waschen und vor den Stationen die Schuhe ausziehen. Dann treten wir in einen Saal, in dem 44 Babies von 3 bis 8 Monaten schlafen, krabbeln und sich auf Besuch freuen. Die Station wird von 4 Krankenschwestern geleitet, die von freiwilligen Helferinnen in Schichtarbeit unterstützt werden. Es sind sogar zwei Französinnen da, die ein Praktikum machen.

Die kleinen Kinder wachsen uns schnell ans Herz. Es sind rührende Bilder.

Wir besuchen noch eine weitere Station der ganz kleinen und auch eine der Kinder, zwischen 8 Monaten und einem Jahr. Die freiwilligen Helferinnen werden auch geschult in Kinderpsychologie, sogar Sprachunterricht wird eingeflochten. Eigentlich ist dies eine ideale Vorbereitung für die zukünftigen Mütter. Die Krankenschwester erklärt, dass die Kinder dann meist wieder innerhalb der Familie oder Verwandtschaft unterkommen, wenn sie 1 Jahr alt sind. Kinder, die keine Familie mehr haben, oder nicht mehr zurück können, bleiben in dem Heim und erhalten dort auch eine Schulbildung.

Nur schwer können wir uns trennen.

Auf der Weiterfahrt nach Ndangane fliegen wir ein paar Mal über die Drempel auf der Straße und hauen uns fast den Kopf am Wagendach. In der Nachmittagssonne kann man diese Verkehrsberuhigungsmaßnahmen kaum vom Schattenwurf der Bäume unterscheiden. Nach der Ruckelfahrt kommen wir schließlich am Anleger an. Wir packen unsere Sachen auf die Piroge und haben schon mit Vorfreude unser Ziel auf der anderen Flußseite im Auge: Kurt und Adia Wiesbauer's Mar Setal.


Nach einem Flag oder Cola auf dem Steg geht es uns allen gut. Jetzt sind 2 Tage Entspannung angesagt. Es ist auch wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, zwischen den intensiven Arbeitstagen die Erlebnisse zu überdenken, verarbeiten, diskutieren. Wir alle finanzieren unsere Reise aus eigener Tasche und mit Urlaubstagen bzw. freier Zeit.


Sonntag, 18. April 2010

7. Tag - Plan B und Dakar

Wir sitzen alle beim Frühstück und warten auf den Anruf des Spediteurs, der heute den Krankenwagen aus dem Zoll lösen will. Die letzte Aussage ist, dass er um 8 Uhr die Unterschrift beim Zollamt holen kann und das Fahrzeug dann frei ist. Wir warten.

Um 8:20 Uhr kommt ein Anruf vom Spediteur, dass er gerade eben im Hafen eingetroffen ist, die Zollbeamten seien aber noch nicht da. - So ist es oft hier. Die Abläufe dauern enorm lange und keiner weiß genau, ob eine Zusage zeitlich eingehalten wird. Irgendwann dann ja, Inschallah.
Wenn man hier lebt, fügt man sich in dieses System ein, und es ist auch gar nicht so fatal, dieses „komm ich heute nicht, komme ich morgen„. Nur hindert diese Haltung ein Wirtschaften, so wie wir es kennen. Überhaupt ist es die Herausforderung, über den eigenen Tellerrand gucken zu können. Und dabei zu merken, wie hoch dieser ist…

Die Frauen und Christoph sind um 9 Uhr dann doch gestartet. Sie besuchen Dakar und die ehemalige Sklaveninsel Gorée. Die anderen bleiben im Hotel zurück und warten noch eine Weile auf die Nachricht vom Zoll, gehen am Mittag dann aber zu Plan B über.

Eine Delegation fährt zur DIDEC, um die Schulpatenschaftsgelder zu überreichen. Deutsche Schulpaten unterstützen aktuell 324 Kinder finanziell beim Schulbesuch, der durch unsere O.N.G. und die DIDEC (Direction Diocésaine de l'Enseignement Catholique de Thiès) organisiert wird.

Die andere Gruppe packt 200 Säcke Reis und bringt sie zu der Sozialstation der Stadt Thiés. Diese unterstützt bedürftige und behinderte Menschen. Die offizielle Übergabe der Reisspende wird für Freitag geplant.

Danach fährt die Gruppe nach Pambal und überbringt die vereinbarten medizinischen Hilfsgüter. Die Gesundheitsstation erhält ebenfalls das Honorar für die Matronen. Die O.N.G. unterstützt die Tätigkeit der Hebammen, damit sie die Frauen aus den umliegenden Orten in die Gesundheitsstation begleiten können.


Die „Touristen-Gruppe“ ist unterwegs in die Metropole. Wir wollen etwas über die Vergangenheit Afrikas erfahren und auch noch andere Regionen und Städte sehen.

Auf halber Strecke erreichen wir Rufisk. Wie auch Thiés vergrößert sich diese alte Hafenstadt rasant. Im Stop‘n‘go Tempo rollen wir über die Hauptstraße und queren Kreisverkehre. Das einfahrende Fahrzeug hat übrigens Vorfahrt… So manches mal tritt man hier als Beifahrer auf die imaginäre Bremse. Oder sieht es gelassen und beobachtet das Treiben auf dem Schafmarkt, die Händlerinnen mit Obst und Gemüse, die Karren mit Schuhen, den Sonnenbrillenverkaufsstand, die Straßenverkäufer mit den Telefonkarten. Ndiaou erklärt, dass man im Senegal in kein Geschäft zu gehen brauche - bei den Sträßenhändlern könne man alles kaufen.

In Rufisk besuchen wir noch kurz die Feuerwache. Auf dem Gelände gibt es eine Krankenstation, die nicht nur die Feuerwehrleute sondern auch die Einwohner der Umgebung versorgt. Selbst der stationäre Aufenthalt von ein paar Leuten ist möglich - und dies kostenlos. Einzig die Medikamente müssen die Zivilisten selber bezahlt werden.
Wir Frauen haben uns gesagt, dass wir möglichst alle passablen Einrichtungen für die „sanitäre Entspannung“ nutzen werden. Vorsorglich. Danach geht es weiter.


Als wir die Vororte von Dakar erreichen, ist wieder Stau - wie gut dass wir nicht mehr müssen…
Jedoch kriegt jetzt der Hotel-Bus ein Problem. Das Kupplungspedal fällt ständig nach unten, die Kupplung trennt nicht mehr richtig, der Motor stirbt ab oder die Gänge lassen sich nur noch mit viel Glück schalten. Uns schwarnt Böses. Wir rufen Franjo an um zu fragen, ob wir eventuell auch selber irgendwo Öl nachfüllen können, oder ob eine Werkstatt notwendig sei. So fahren wir dann zur nächsten Tankstelle - das dauert auch nochmals eine gute halbe Stunde Bangen. Angekommen fährt Ndiaou den Mitsubishi über die Grube der Tankstellenwerkstadt. Der Wart guckt in den Motorraum und stellt schon mal fest, dass das Öl für die Servolenkung komplett fehlt und dass das Motoröl auch nicht mehr gut ist. Wir Frauen sagen, dass nicht das das Problem sei und man dieses jetzt nicht beheben müsse. Ein Blick unter den Wagen genügt um zu sehen, dass da etwas kaputt ist - es tropft wie ein Wasserhahn.

Der herbeigerufene Mechaniker erklärt uns dass der defekte Kupplungsnehmerzylinder (so heißt das Ding, erfahren wir von Franjo) in 15 Minuten auszutauschen sei. Das ganze koste 11.000 CFA. Nebenher läuft unsere Hotline mit dem Hotel in Thiés und wir fackeln nicht lange und lassen den Schaden beheben.
Gerade passend fahren wir auf das Hafengelände, kaufen uns Tickets für die Überfahrt nach Gorée und gehen an Bord.
Die Seeluft wirkt entspannend und wir atmen erst mal auf, dass wir heile angekommen sind und doch noch unsere Fahrt auf die Insel machen können.



Auf Gorée suchen wir uns erst mal ein Plätzchen fürs Mittagessen. Es gibt Lotte, Reis, Pommes, Bratkartoffeln, Steak und Thunfischsalat. Gestärkt starten wir unseren Inselrundgang mit Aladi, einem Einheimischen, der 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und nun wieder auf die Insel zurückgekehrt ist.



Während der Kolonialzeit wurden Millionen von Afrikanern als Arbeitssklaven nach Amerika verschifft. Sowohl in Nord- und wie auch in Südamerika wurden die Männer für die Feldarbeit, als Diener, die Frauen als Dienstmägde und Arbeiterinnen missbraucht.
Gorée und das „ehemalige Sklavenhauses“ stehen heute als Sinnbild und Mahnmal für dieses Kapitel der Menschheitsgeschichte. Die Menschen wurden wie Vieh gefangen, zu den Küsten transportiert, eingepfercht, gemästet, missbraucht und teilweise regelrecht gezüchtet. Pferdesklaven wurden sie genannt. Die Weißen behaupteten, Afrikaner hätten, ebenso wie die Tiere, keine Seele.




Im späten 18 Jahrhundert löste sich im Zuge der Aufklärung die Sklaverei bzw. die Bezeichnung als solche auf. Jedoch ist das ein Grund auch heute darüber nachzudenken, welche Haltung die reichen Nationen gegenüber Afrika einnehmen.



Und es ist auch interessant zu erfahren, wie schwierig für die Afrikaner selber die „Wiedervereinigung“ ist, zwischen jenen in Übersee geblieben und derjenigen, die zurückgeblieben sind. Dazu gibt es auf Gorée ein Monument, das mit einer symbolischen Wurzel und einem Schiffsteil diese Wiedervereinigung abbildet.



Neben der traurigen Thematik zeigt uns Aladi die Insel als buntes Künstleratelier. Er erklärt, dass der ehemalige Staatspräsident Senghor den Kunsthandwerkern und Künstlern zugesichert habe, sie können auf Gorée kostenlos wohnen. Diese hausen nun in den alten Festungsbunkern, in Zelten oder einsturzgefährdeten Häusern und bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Erlös aus ihrer Kunst. Knallige Farben und witzige Ideen begeistern uns und das eingesteckteTaschengeld geht schnell zur Neige.


Wir nehmen die Fähre zurück ans Festland und schließen unseren Tag in Dakar mit einer Tour durch das Regierungsviertel  ab und umrunden die „Corniche“. Der Landzipfel, der in den Atlantik herausragt, ist bebaut mit traditionellen Stadthäusern, Villen, Hotels, Läden und Blechhütten und vielen angefangenen Gebäuden. Am Strand sind viele Sporttreibende unterwegs - auch Frauen.


Am Horizont taucht auf einem Hügel die neue Statue der Afrikanischen Renaissance auf. Ein gigantisches Monument, höher als 50 m, das von einem koreanischen Unternehmen hier aufgebaut wurde. Im Innern der Statue sollen sich ein Museum, Konferenzräume, ein Aussichtsrestaurant, Shops etc. befinden. Neben dem breiten Treppenaufgang flattern die Nationalflaggen der 53 Staaten Afrikas im Wind. An dem Projekt haben sich mehrere afrikanische Staatsoberhäupter beteiligt.




 Wir erreichen in der Dämmerung dann die Baustelle, die wir bereits von unserer Ankunft her kennen. 5 Spuren verengen sich auf eine Sandpiste. Straßenhändler laufen den Fahrzeugen entlang und versuchen ihre Ware an den Mann zu bringen. Mit einem von ihnen gibt es eine interessante Begegnung. Er verkauft Frottiertücher. Er unterhält sich mit Ndiaou und fragt, ob nicht wir Touristen solche Tücher gebrauchen könnten. Ndiaou erklärt, dass wir alles bereits im Koffer mitgebracht hätten und selbst im Hotel würden Frottiertücher für uns bereitliegen. Wir hätten keinen Bedarf. Er selber würde es sich aber noch überlegen. Daraufhin antwortet der Händler: „siehst du, deren Großväter haben gut für sie vorgesorgt. Unsere Großväter haben das versäumt.“


Nach gut einer Stunde sind wir durch, dann noch eine Stunde für Rufisk und dann geht es in rasendem Tempo über die Landstraße nach Thiés. Wir sind alle etwas müde und doch auf aufgedreht wegen des ereignisreichen Tages. Die Männer begrüßen uns mit einem Flag, Currywurst, Pommes und Salat. Nett, dass sie sich so um uns kümmern - jetzt brauchen sie auch nicht mehr hinter uns her zu telefonieren, wir sind wohlbehalten zurück :-)  

 

6. Tag - Reisaktion am Depot

Heute frühstücken wir früher, weil um 9 Uhr die Reisverteilung am Depot beginnen soll. Wir müssen vorher die Ausgabe vorbereiten. Bei der Aktion „1000 Säcke Reis für 1000 Familien“ sind wiederum erfreulich viele Spenden eingegangen, so dass im Senegal ausreichend Reis gekauft werden konnte. Der Preis für die 50 kg ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch bereits wieder um 10 % gestiegen.

Im Vorfeld hatten unsere Mitarbeiter Cheikh und Aliou gemeinsam mit Caritas und dem Sozilamt die Bedarfslage abgeklärt und Gutscheine für den Reis ausgegeben. Jeder Inhaber muss seinen Gutschein vorzeigen, sein Name und der Wohnort werden in unsere Liste eingetragen. Der Gutschein wird einbehalten. Wir fahren den Reis mit der Sackkarre an die Straße bzw. zum Transportgefährt des Abholers. So haben wir uns das vorgestellt.


Als wir um 8:30 Uhr am Depot ankommen sitzen schon sehr viele Menschen vor dem Tor im Schatten. Nach einer Ansprache von Franz-Josef Frye, in der erklärt wird, dass die Reisspende durch die Anteilnahme von vielen Menschen in Deutschland zustande gekommen ist, dass es aber nur eine Maßnahme sein kann und dass unser Bestreben und auch unsere Erwartung jene ist, dass die Menschen im Senegal sich bemühen, für sich selber zu sorgen, wird der Ablauf der Reisausgabe erklärt.


In der ersten Viertelstunde gibt es noch etwas Gedränge vor dem Tor, aber als die Leute dann sehen, dass alle mit einem Gutschein einen Reissack erhalten, geht die Verteilung der Reihe nach. Genauso wie wir es uns gewünscht haben.
Frauen mit kleinen Kindern auf dem Rücken werden sogar vorgelassen, ebenso gebrechliche Männer und Frauen. Es ist beeindruckend.
Einzelne versuchen, auch ohne Gutschein einen Sack zu
erhalten, werden aber abgewiesen.


Die Senegalesen, die am Depot mithelfen, ackern hart in der prallen Sonne. Immer wieder wird ein leerer Anhänger mit Säcken gepackt und zum Tor gefahren, auf die Sackkarren abgeladen und zur Straße abtransportiert. Nach dreieinhalb Stunden hat jeder mit einem Gutschein seinen Sack Reis erhalten.


Da beim Ausladen aus dem Container einige Säcke kaputt gegangen sind, füllen wir davon Plastiktüten mit 8 bis 10 kg Reis ab. Diese sollen an die Frauen abgegeben werden, die ohne Gutschein seit frühmorgens gewartet haben. Wer eine solche Tüte erhält, kriegt ein Kreuzchen auf den Handrücken aufgemalt. Obwohl gut gemeint und gedacht, verläuft diese Zusatzausgabe eher chaotisch. Jetzt wird auch laut gerufen und an dem Tor gezerrt und gedrängelt. Jetzt wollen alle noch Reis. Ein paar wenige versuchen eine Extraportion zu kriegen, obwohl sie vorher schon einen Sack abgeholt haben. Wir sind froh, dass Cheikh und Aliou da sind und helfen, die Aufruhr zu beruhigen, als die Säcke ausgehen. Viele der Anwesenden sprechen kein Französisch sondern Wolof, eigentlich die Hauptsprache im Senegal.


Nach der Mittagspause treffen der leitende Augenarzt Dr. DIALLO und ein Kollege aus der Orthopädie am Depot ein und besprechen mit Christoph und Franz-Josef ihren Bedarf an medizinischen Gütern, die wir zur Verfügung stellen können. Die Kartons werden von Werner und Kerstin ins Hôpial Régional gebracht. Für die Grundversorgung gibt es in den einzelnen Stadtteile zudem Gesundheitsstationen, ähnlich den Ärztezentren bei uns. Die Konsultation und die Verschreibungen müssen die Menschen gleich vor Ort bezahlen.

Franjo, Josef und Aliou laden die Schulpulte und Stühle in den Anhänger und bringen sie nach Tivaouane. Sie werden für die Ausstattung einer Schule in einem Dorf eingesetzt. Andrea, Daniela und Dieter fahren mit 10 Laptops zur Realschule Ousman Ngom. Dort wird der vorhandene PC-Raum erweitert. Vor 5 Jahren hatten wir bereits mit 10 Rechnern einen kleinen Unterrichtsraum ausgestattet. Die Platzverhältnisse dort waren aber sehr eng. Zudem wurden in der Regenzeit wegen des undichten Daches auch PC und Monitore beschädigt. Auch die permanenten Stromausfälle oder Unterbrechungen schaden der Elektronik.

Der Informatiklehrer Moustapha KANE konnte deshalb letztes Jahr in einen anderen Raum umziehen und hat ein schönes Schulnetzwerk aufgebaut. Die gespendeten Laptops erweitern nun den Klassenraum auf 24 Arbeitsplätze - für 900 Schüler…Am späteren Nachmittag erfahren wir, dass der Krankenwagen nun endlich durch den Zoll ist und wir morgen alle nach Dakar fahren werden - Inschallah!Mit knurrendem Magen warten wir nun auf das Abendessen - heute extra für uns: Nem und Hähnchen.

5. Tag - Touba Toul, Keur Banda und Bürgermeister, die 2.

(18.04.2010 ... endlich wieder zur passenden Zeit Strom im Hotel - der Blog kann weitergehen ...)

Um 9 Uhr fahren wir zum Depot und beladen den Anhänger mit den Kisten für Touba Toul und für Keur Banda.
In Touba Toul steht die vom Antonius Gymnasium mitfinanzierte Gesundheitsstation, die 2006 eröffnet wurde. Die Station erhält medizinisches Verbrauchsmaterial. Für Keur Banda werden Kleidung, Stoffe, Nähmaschinen, Garn und Kuscheltiere gepackt, ebenso eine Motorhacke.

Mit dem Nissan und dem alten Kadett machen wir uns auf den Weg. Einige Kilometer vor Touba Toul steht in einer Ansiedlung ein alter Seecontainer von uns, der zu einer Schneiderei umfunktioniert worden ist. Die Schneider und Schneiderinnen arbeiten hier auf Bestellung und wir bewundern die schicken Teile, die auf Abholung warten. Die zwei Nähmaschinen und das Garn werden ausgeladen.



Ein paar Kilometer weiter biegen wir von der geteerten Hauptstraße ab auf die Piste nach Touba Toul. Sofort gehen unsere beiden Fahrzeuge auf gehörige Distanz voneinander – die Staubwolken merkt man sonst noch beim Abendessen zwischen den Zähnen…
Wellblechpiste und Weichsandstellen, Ziegenherden, ein paar wenige Motorräder und Autos, Fußgänger und dann taucht der Ort vor uns auf. Etwa 42 000 Einwohner zählt Touba Toul inklusive der umliegenden Ortschaften. Die Gesundheitsstation liegt direkt an einem großen Platz am Ortseingang. Sie ist unterteilt in Allgemeinmedizin und Geburtshilfe/Gynäkologie. Wir werden vom Stationsleiter und der leitenden Hebamme durch das Haus geführt. Die gesamte Anlage macht einen guten Eindruck. Auf der Geburtsstation dürfen wir zwei Wöchnerinnen mit ihren ganz kleinen Babys besuchen.


In einem Gespräch mit der Hebamme erfahren wir, dass im letzten Jahr über 900 Kinder zur Welt gekommen sind. Von Januar 2010 bis heute sind es bereits 223 Kinder.
Die Prognosen für den Senegal – und für den ganzen afrikanischen Kontinent – sind, dass sich die Bevölkerungszahlen bereits in der nachfolgenden Generation verdoppeln werden. 50 % der Einwohner erreichen in den nächsten 10 Jahren Geschlechtsreife. Diese Perspektive ist alarmierend: die bereits jetzt schon knappen Ressourcen können nicht in der gleichen Zeit vergrößert werden, wenn überhaupt verdoppelt. Der Strom in die reicheren Nationen und damit deren Sozialsystem wird zunehmen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Familienplanung in Afrika greift. So wichtig, dass die Bildung auch der Frauen steigt. So wichtig auch, dass die Senegalesen hier in ihrem Land für sich eine Zukunft sehen.
Bereits im Vorfeld und wenn wir hier sind auch jeden Abend in der Feedbackrunde hinterfragen wir unsere Maßnahmen kritisch, diskutieren auch mit den Senegalesen. Denn „Entwicklungshilfe“ hat immer mindestens zwei Seiten.


Wir fragen die Hebamme nach den bereits laufenden Maßnahmen bei der Familienplanung. Kinderreichen Frauen, oder jenen, die innerhalb kurzer Zeit schwanger werden, wird nach der Entbindung geraten zu verhüten. Notfalls erhielten die Frauen auch gegen den Willen des Mannes eine 3-Monats-Spritze oder die Pille, erklärt die Hebamme. Wir fragen nach, ob es denn auch für die Männer in Frage komme, zu verhüten. Den anwesenden Senegalesen merkt man förmlich das Unbehagen an - solche Themen werden nicht gern öffentlich diskutiert. Der Apotheker erklärt, es würden etwa fünf Männer pro Tag Kondome verlangen. Diese werden kostenlos abgegeben wie auch die Verhütungsmittel für die Frauen.
Wir ermutigen die Hebamme, bei der Beratung der Frauen die Verhütung noch stärker einzubringen und darauf hinzuweisen, dass dank der Gesundheitsstationen die Säuglingssterblichkeit sinkt.

Natürlich ist auch das Flachdach ein Thema, das 2009 von der letzten Senegal-Truppe abgedichtet worden war. Bei der letzten Regenzeit ist kein Wasser mehr ins Gebäude eingedrungen. Das ist eine gute Nachricht!

Nachdem wir die Kisten mit dem Injektionsmaterial, Binden, Tücher etc. abgeladen haben, machen wir Mittagspause im Hof der Gesundheitsstation.

Mit den Kleiderkisten und Kuscheltieren im Anhänger fahren wir anschließend nach Keur Banda.
Zurück über die Piste, auf die Hauptstraße und wieder auf eine Piste.

Und da passiert es. Plötzlich sagt es im 22 Jahre alten Kadett knack und der Wagen bleibt stehen. „Aha, im Sand eingebuddelt“, denken wir uns und steigen aus um es beim Schieben leichter zu haben. Doch die Antriebsräder drehen sich überhaupt nicht. Ein kurzer Blick von Franjo unters Auto bestätigt: die Gelenkwelle ist kaputt.
So heißt jetzt die afro-germanische Lösung, 8 Leute in den Nissan, 3 Mann in den Anhänger und weiter geht‘s.
Wir werden schon erwartet. Der Dorfvorsteher, einige Frauen und Kinder sitzen bereits unter dem schattenspendenden Baum. Und aus allen Ecken strömen Kinder und Frauen herbei, dann auch junge Männer. Die Begrüßung ist sehr herzlich.

Viele Kinder fragen nach Lukas. Lukas Groß hat im vergangenen Jahr zusammen mit den Bewohnern von Keur Banda das Gartenprojekt betreut und unter anderem 120 Papaya-Pflanzen gesetzt. Auf Nachfrage erfahren wir, dass es insgesamt gut gehe, dass sie im Garten aber einen erheblichen Rückschlag einstecken mussten. Der landwirtschaftliche Berater hätte leider nicht oft genug kommen können und sie haben dann aus Unkenntnis den Dünger falsch dosiert. Sämtliche kleinen Tomaten- und Kohlpflanzen die gewachsen sind, sind in der Hitze verbrannt.


Es ist ein trauriges Bild, das sich uns im Garten bietet. Die Tröpfchenbewässerung funktioniert, der Boden ist 2 cm unter der Oberfläche feucht, aber von den Jungpflanzen ist nichts mehr übrig.


Auch sind Erdhörnchen eine Plage. Sie durchwühlen den Boden und fressen die Schösslinge.
Aliou wird einen Plan erstellen, wie die Gartenbewirtschaftung besser aufgeteilt und die benötigte fachliche Hilfe organisiert werden kann.
Um die Arbeit im Garten etwas zu erleichtern, wird eine gespendete Motorhacke übergeben.


Kerstin lässt es sich nicht nehmen den großen Sack Kuscheltiere an die Kinder zu verteilen. Sie sucht sich einen Platz neben dem Baum und verschwindet beinahe in der Traube Kinder. Mit Bedacht teilt sie die Tiere und Puppen aus. Doch dann nehmen ihr zwei Männer aus dem Dorf den Sack aus der Hand, reißen die Tüte auf und alle, aber wirklich alle Kinder, Mädchen und junge Frauen stürzen sich gierig auf die begehrten Kuscheltiere. Tränen fließen bei den Kleinsten, fröhliches Kreischen bei den Größeren. Dann sind alle Tiere in irgendwelchen Händen, verlorene Schuhe werden wieder eingesammelt und dann werden die Kuscheltiere munter getauscht.


Mit all den bunten, teilweise befremdenden Eindrücken fahren wir wieder zurück nach Thiés. Dass man sich wegen eines Stofftieres mit zig anderen auf den Boden wirft und rauft, dass ein Hektar Gemüse wegen fehlender Beratung eingeht, dass Frauen mit 45 ihr 12. Kind entbinden, dass …

Der Tag findet aber einen sehr gelungenen Abschluss. Heute ist der Bürgermeister wieder zurück in Thiés und empfängt uns persönlich. Es ist ein sehr angenehmes, freundschaftliches Gespräch. Der Bürgermeister ist sehr engagiert, die Müllproblematik der Stadt in den Griff zu bekommen. Der gespendete Müllwagen wird demnächst verschifft werden. Die lockere und angeregte Unterhaltung dauert fast zwei Stunden. Als das Thema Grundstück für die O.N.G. angesprochen wird, schlägt Bürgermeister DIATARA sogar vor, die zwei möglichen Parzellen einfach zu besichtigen. Gerne nehmen wir diesen spontanen Vorschlag an und fahren mit ihm in das neue Baugebiet Richtung Mont Rolland. Das liegt nicht weit von unserem jetzigen Depot. Das Angebot gefällt uns sehr gut. In einer lockeren Atmosphäre wird das Treffen beendet und alle kommen beschwingt zurück ins Hotel. So ist das eben auch: Erfolg und Rückschlag liegen nahe beieinander.