Mittwoch, 21. April 2010

12. Tag - Kindergarten, Schule, ASPAIL, Balambrock

Da der Krankenwagen noch immer nicht durch den Zoll ist, fällt ein großer Arbeitsposten weg. Es ist sehr ärgerlich, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden dieses Mal nicht klappt.

Kerstin, Andrea, Daniela, Dieter und Werner bringen Spielsachen und einen Karton mit Besteck fürs Mittagessen in den Kindergarten St. Anne. In dem Kindergarten werden etwa 160 Kinder betreut. Die Kinder sind nach ihrem Alter in kleine Gruppen eingeteilt - wie bei uns haben diese auch Namen ... Sie werden entsprechend ihres Alters gefördert und für die Schule vorbereitet. Mit 5 Jahren haben die Kinder bereits den Umgang mit Zahlen und Rechnen gelernt, können Buchstaben schreiben, haben einen Grundwortschatz in Französisch.
Mit großer Freude singen die Steppkes uns Lieder vor, klatschen und tanzen.
Wir stellen fest, dass der Kindergarten noch Bedarf an Kinderkleider hat und Matratzen, damit sich die Kinder darauf ausruhen können. Die bringen wir gleich auch noch vorbei. Die fünf Kindergärtnerinnen freuen sich darüber.

Danach bringen wir gespendete Schultornister mit Überraschungsinhalt in die Grundschule Annexe Malick Sy. In Klassen bis zu 80 Schülern werden die Kinder dort unterrichtet. Wenn ein Kind den Kindergarten besucht hat, wird es mit 6 Jahren eingeschult, ansonsten herrscht "Schulpflicht" ab 7 Jahren. Mit einem sehr straffem Programm und unter widrigen Bedingungen arbeiten die Kinder und Lehrer. Zu dritt oder viert sitzen sie an den Pulten, es ist sehr warm in den Klassenräumen unter dem Blechdach. Der Unterricht wird frontal gehalten und ist sehr rigide. Wir überlegen, ob wir überhaupt die Rechenaufgaben noch ohne Taschenrechner lösen könnten, die in der 5. Klasse an der Tafel stehen.
Der Konrektor verspricht uns, dass das Kollegium sich bespricht und wenn möglich die Schultornister jenen Schülern zur Verfügung stellen wird, die aus armen Verhältnissen kommen.

Um 11 Uhr sind wir zur Einweihung des neuen Ausbildungscenters von ASPAIL eingeladen. Die aus senegalesischer Initiative entstandene Ausbildungsstätte wird seit Jahren von dem deutschen Verein Stenos-Phanos e.V. begleitet. Dieter Palapys ist ein alter Mitstreiter von Franz-Josef Frye und früherer "Nachbar" in der Werkstatt an unserem Depot. Jetzt endlich, nach 12 Jahren hat die Organisation eine eigene Werkstatt auf eigenem Grund.
Es werden dort elektrische Maschinen repariert und Motoren neu gewickelt. Die jungen Menschen werden  von anderen Senegalesen ausgebildet. Das Übertragungscorps der Armee unterstützt die ASPAIL bei der Ausbildung der Ausbilder.

Die Einweihungszeremonie dauert lange, verschiedene Honorationen und Delegierte sprechen - aber es gibt auch neben den traditionellen Förmlichkeiten auch kritische Stimmen. Ein Redner sagt, dass es eigentlich eine Schande ist, dass der Staat nicht in der Lage sei, solche Ausbildungsstätten zu schaffen. Der Delegierte vom Bildungsministerium sichert zu, dass zukünftig die handwerkliche, technische Tätigkeit auch als Beruf anerkannt werde. Dass damit dann auch die Voraussetzung für die handwerkliche Bildung entstehe.

Wir hoffen mit Dieter und Karin Palapys, dass die Einrichtung als Beispiel dient und in Thiés Schule macht. Dass die Senegalesen die Werkstatt und Ausbildungsstätte in ihrem Sinne fortführen.

Eine kleine Gruppe von uns fährt anschließend noch in das Dorf Balambrock. Dort wohnt ein Mädchen, für das eine Klasse der Ascheberger Realschule die Schulpatenschaft übernommen hat. Wir alle finden das ein tolles Engagement!
Die kinderreiche Familie soll nun auch noch einen Sack Reis, Kinderkleidung und eine Matratze  erhalten. Kato und ihre Geschwister schlafen auf einer Bastmatte auf dem Betonfußboden. Es gibt in dem Haus nur eine Matratze für die Eltern oder für die Großeltern. Die Frauen des Hauses zeigen uns ihre Erdnuss-Ernte, die sie jetzt auf runden Blechen sorgfältig rösten. Das schmeckt köstlich! Die kleinen Mädchen zeigen uns eifrig, wie dann die Erdnüsse im Mörser zerstampft werden um eine Erdnusssauce zu machen.

Alle freuen sich sehr über die Geschenke und es werden bestimmt in den nächsten Tagen im ganzen Dorf Kinderkleider anprobiert, getauscht und gegen andere benötigte Dinge eingetauscht.


Heute Abend sind wir vom Patron und der Belegschaft des Hotels Rex zum Essen eingeladen. Der Koch kredenzt uns einen wunderbaren Fisch (Dhiof) mit Petersilienkartoffeln, Reis und einer schönen Salatplatte. Zum Dessert gibt es Fruchtsalat (aus der Dose) mit frischen Bananen. Kerstin haut rein!

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