Sonntag, 18. April 2010

6. Tag - Reisaktion am Depot

Heute frühstücken wir früher, weil um 9 Uhr die Reisverteilung am Depot beginnen soll. Wir müssen vorher die Ausgabe vorbereiten. Bei der Aktion „1000 Säcke Reis für 1000 Familien“ sind wiederum erfreulich viele Spenden eingegangen, so dass im Senegal ausreichend Reis gekauft werden konnte. Der Preis für die 50 kg ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch bereits wieder um 10 % gestiegen.

Im Vorfeld hatten unsere Mitarbeiter Cheikh und Aliou gemeinsam mit Caritas und dem Sozilamt die Bedarfslage abgeklärt und Gutscheine für den Reis ausgegeben. Jeder Inhaber muss seinen Gutschein vorzeigen, sein Name und der Wohnort werden in unsere Liste eingetragen. Der Gutschein wird einbehalten. Wir fahren den Reis mit der Sackkarre an die Straße bzw. zum Transportgefährt des Abholers. So haben wir uns das vorgestellt.


Als wir um 8:30 Uhr am Depot ankommen sitzen schon sehr viele Menschen vor dem Tor im Schatten. Nach einer Ansprache von Franz-Josef Frye, in der erklärt wird, dass die Reisspende durch die Anteilnahme von vielen Menschen in Deutschland zustande gekommen ist, dass es aber nur eine Maßnahme sein kann und dass unser Bestreben und auch unsere Erwartung jene ist, dass die Menschen im Senegal sich bemühen, für sich selber zu sorgen, wird der Ablauf der Reisausgabe erklärt.


In der ersten Viertelstunde gibt es noch etwas Gedränge vor dem Tor, aber als die Leute dann sehen, dass alle mit einem Gutschein einen Reissack erhalten, geht die Verteilung der Reihe nach. Genauso wie wir es uns gewünscht haben.
Frauen mit kleinen Kindern auf dem Rücken werden sogar vorgelassen, ebenso gebrechliche Männer und Frauen. Es ist beeindruckend.
Einzelne versuchen, auch ohne Gutschein einen Sack zu
erhalten, werden aber abgewiesen.


Die Senegalesen, die am Depot mithelfen, ackern hart in der prallen Sonne. Immer wieder wird ein leerer Anhänger mit Säcken gepackt und zum Tor gefahren, auf die Sackkarren abgeladen und zur Straße abtransportiert. Nach dreieinhalb Stunden hat jeder mit einem Gutschein seinen Sack Reis erhalten.


Da beim Ausladen aus dem Container einige Säcke kaputt gegangen sind, füllen wir davon Plastiktüten mit 8 bis 10 kg Reis ab. Diese sollen an die Frauen abgegeben werden, die ohne Gutschein seit frühmorgens gewartet haben. Wer eine solche Tüte erhält, kriegt ein Kreuzchen auf den Handrücken aufgemalt. Obwohl gut gemeint und gedacht, verläuft diese Zusatzausgabe eher chaotisch. Jetzt wird auch laut gerufen und an dem Tor gezerrt und gedrängelt. Jetzt wollen alle noch Reis. Ein paar wenige versuchen eine Extraportion zu kriegen, obwohl sie vorher schon einen Sack abgeholt haben. Wir sind froh, dass Cheikh und Aliou da sind und helfen, die Aufruhr zu beruhigen, als die Säcke ausgehen. Viele der Anwesenden sprechen kein Französisch sondern Wolof, eigentlich die Hauptsprache im Senegal.


Nach der Mittagspause treffen der leitende Augenarzt Dr. DIALLO und ein Kollege aus der Orthopädie am Depot ein und besprechen mit Christoph und Franz-Josef ihren Bedarf an medizinischen Gütern, die wir zur Verfügung stellen können. Die Kartons werden von Werner und Kerstin ins Hôpial Régional gebracht. Für die Grundversorgung gibt es in den einzelnen Stadtteile zudem Gesundheitsstationen, ähnlich den Ärztezentren bei uns. Die Konsultation und die Verschreibungen müssen die Menschen gleich vor Ort bezahlen.

Franjo, Josef und Aliou laden die Schulpulte und Stühle in den Anhänger und bringen sie nach Tivaouane. Sie werden für die Ausstattung einer Schule in einem Dorf eingesetzt. Andrea, Daniela und Dieter fahren mit 10 Laptops zur Realschule Ousman Ngom. Dort wird der vorhandene PC-Raum erweitert. Vor 5 Jahren hatten wir bereits mit 10 Rechnern einen kleinen Unterrichtsraum ausgestattet. Die Platzverhältnisse dort waren aber sehr eng. Zudem wurden in der Regenzeit wegen des undichten Daches auch PC und Monitore beschädigt. Auch die permanenten Stromausfälle oder Unterbrechungen schaden der Elektronik.

Der Informatiklehrer Moustapha KANE konnte deshalb letztes Jahr in einen anderen Raum umziehen und hat ein schönes Schulnetzwerk aufgebaut. Die gespendeten Laptops erweitern nun den Klassenraum auf 24 Arbeitsplätze - für 900 Schüler…Am späteren Nachmittag erfahren wir, dass der Krankenwagen nun endlich durch den Zoll ist und wir morgen alle nach Dakar fahren werden - Inschallah!Mit knurrendem Magen warten wir nun auf das Abendessen - heute extra für uns: Nem und Hähnchen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen