Dienstag, 20. April 2010

11. Tag - Diass Palam, Deutschclub, Fußball und Croix Rouge

Heute erwartet uns wieder ein strammes Programm. Josef, Franjo und Aliou sind in aller Frühe bereits mit dem Traktor plus Begleit-Kadett losgefahren ins 15 km entfernte Diass Palam. Welches Fahrzeug dann im Notfall welchem Hilfe leisten würde, kann sich jeder denken (siehe 5. Tag)...

Wir machen uns dann etwas später auf den Weg und treffen die drei vor dem Dorf. In der traditionellen senegalesischen Dorfgemeinschaft leben die Großfamilien in ihren Rundhäusern/Ziegelsteinhäusern. Im umzäunten Hof stehen auch noch Nebengebäude wie Küche, Toilette, Wasserstelle und manchmal auch ein Stall. Der Hof ist mit Flechtzaun, Palmenblättern oder sogar Steinmauern umgeben, damit Sand und Staub ferngehalten werden. Treffpunkt ist ein schattenspendender Baum im Dorf. Meistens sitzen dort ein paar Menschen. Sobald aber Besuch kommt, kommen aus allen Höfen Kinder, Frauen und Männer hinzu.

In Diass Palam soll heute ein Teil eines Ackers gepflügt werden. Der Gülde-Trecker, den Josef Klaverkamp und Walter Soebe in vielen Arbeitsstunden komplett überholt und für den Senegal gespendet haben, kann von den Dörfern angefordert werden, in denen die O.N.G. Projekte begleitet. Wir erklären der versammelten Dorfbevölkerung diese Aktion und wollen ihnen das Pflügen auf einem ihrer Felder vorstellen.

Mit den traditionellen Handwerkzeugen kann der Boden nicht ausreichend gelockert werden. Der Traktor mit Pflug und Egge wird also die Feldarbeit erleichtern und auch bessere Erträge bringen.

Unter Applaus fährt Josef mit dem Gülde in Richtung Feld. Es ist kaum zu glauben, dass auf dem trockenen, steinharten Boden überhaupt etwas wachsen kann. Die Erde ist jedoch sehr nähtstoffreich und wird auch immer wieder von den durchziehenden Vieherden gedüngt. Aber ihre Ertragskraft zeigt sie erst in der Regenzeit, wenn alles Grün in die Höhe schießt.
Die ersten Meter geht die Schar auch kaum in die Erde rein. Werner stellt sich als Zusatzgewicht auf den Pflug - so klappt es. Es werden einige Furchen gezogen, das liegengebliebene Hirsestroh wird gleich untergemengt.


Die ganze Dorfgemeinschaft schaut sich die Demonstration an. Beifälliges Nicken ist zu sehen, Staunen und auch Skepsis. Der Boden wird um diese Jahreszeit normalerweise gar nicht bewirtschaftet. Zeit für die Landwirtschaft wird es erst im Juni, wenn die Regenzeit einsetzt.

Es werden dann hauptsächlich Erdnüsse gepflanzt, Tomaten, Auberginen, Melonen und Maniok. Wenn der Boden künstlich bewässert wird, können diese Pflanzen und noch weitere auch in der übrigen Zeit angebaut werden. Das Entscheidende ist immer das Wasser. Und um diesen Punkt geht es auch in dem Gespräch, das wir anschließend mit den Dorfvorstehern und Gesandten der 8 Dörfer führen, die zum Wasserversorgungsgebiet von Diass Palam gehören. Es soll im nächsten Jahr ein Gartenbauprojekt entstehen. Ziel dieses Projektes ist die ausreichende und bessere Versorgung der Dorfbevölkerung mit Nahrungsmittel und der Kampf gegen die Armut. Durch Einnahmen aus dem Verkauf von Produkten entstehen z.B. für die jungen Männer im Dorf neue Perspektiven, sie wandern nicht mehr ab in die Städte und verarmen möglicherweise dort. Die Dorfbevölkerung hat ein Einkommen und kann sich auch Reis, Schulhefte, Stifte, Kleider kaufen. Kurz: Hilfe zur Selbsthilfe.

Das Palaver dauert lange. Es wird über jeden Punkt der Infrastruktur lange geredet. Kerstin schaut mich verwundert an: "jetzt haben die 20 Minuten über ein und dasselbe geredet". So ist das hier. Jeder sagt etwas zum Thema. Keiner will zu fordernd sein, aber auch nicht zu zurückhaltend. Jeder hat eine Meinung und will gehört werden, und auch wenn alle sich eigentlich einig sind, wird nicht eher entschieden, als dass der Dorfvorsteher oder der Handelspartner die geteilte Meinung ausspricht. Sehr demokratisch. Aber halt auch sehr langwierig.

Schließlich sind sich alle über die Größe und Lage des erforderlichen Wasserturms einig, die Maße des Wirtschafts- und Lagerraums, die Anzahl von Brunnen und Schöpfstellen und die Art der Umzäunung. Auch der Zeitrahmen in dem das Projekt realisiert werden soll, steht. Inschallah.

Alle sind zufrieden. Auch die Kinder strahlen mit Bonbons im Mund. Wir fahren wieder zurück nach Thiés. Josef und Franjo bleiben noch ein paar Stunden und üben mit Aliou das Pflügen.

Um 15 Uhr sind wir beim Deutschclub des Gymnasiums Malick Sy eingeladen. Kurzfristig wird der Termin um eine Stunde verschoben - "nichts ist im Senegal so veraltet, wie der Plan von vor einer halben Stunde" pflegt Werner solche Situationen zu kommentieren. Wir nehmen es gelassen. Genau so wie die Nachrichten aus Europa, dass wegen des Eyjafjalla die Flüge eingestellt wurden. Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen passiert...

Im Mehrzweckraum des Lycée Malick Sy, das etwa 4000 Schüler besuchen, werden wir freundlich empfangen. Der Deutschclub ist eine Art AG der drei Deutschlehrer des Gymnasiums.
Einige der SchülerInnen nehmen demnächst sogar an einem überregionalen Deutsch-Wettbewerb im Senegal teil. Der Konrektor hält große Stücke auf die AG und deren Schüler.
Die etwa 90 Jugendlichen haben ein buntes Programm zusammengestellt mit deutschen Gedichten, die sie selbst geschrieben haben, mit einem selber choreographierten Hip-Hop-Tanz, mit Rap, Nena, 50cents.
Der Deutschclub ist ein sehr engagierter Club, der auch die Eigeninitiative der Lernenden widerspiegelt. Die O.N.G. Hilfe für Senegal unterstützt das Engagement mit einem Beitrag fürdas kommende Schulfest, wo der Deutschclub unsere Kultur vorstellen wird.
Die Jugendlichen freuen sich aber über jede Minute, in der sie sich in dieser "schweren Sprache" mit uns unterhalten können. Leider bleibt dafür nicht mehr so viel Zeit. Denn wir müssen gleich weiter zum Finalspiel der Jugendfußballer.

Perspektiven, Motivation, Freude ist auch hier das Ziel, das wir mit dem Engagement verfolgen. Die Jugendfußballer spielen in Badelatschen, mit flatterndem Trikot und unterschiedlichen Hosen. Manchmal hat eine Mannschaft auch ein Oberteil zuwenig, dann wird ein farblich passendes dazugenommen - bei uns selbst bei den Minikickern unvorstellbar! Gerne werden deshalb abgelegte Trikotsätze von unseren Regionalmannschaften übernommen.

Eine ganze Mannschaft in Badelatschen!


Leider sind in diesem Jahr die im Container verschifften Trikots und große Mengen Fußbälle bei der Zollkontrolle entwendet worden. Wir können also nur ein paar Sportschuhe, einige Einzeltrikots und Bälle überbringen. Dennoch freuen sich die Jugendlichen nach dem mit viel Einsatz gespielten Finale. Dass wir sie ermutigen, weiter zu machen, ist klar! Die Siegermannschaft und auch der Vize und die dritte Mannschaft erhalten einen Zuschuss für die Mannschaftskasse. Mannschaft schreibe ich? - Zu einem Team gehören sogar zwei Mädchen!

Anschließend fahren wir zum Roten Kreuz, das uns für die gute Zusammenarbeit zu einer kleinen Feier in ihr Hauptquartier eingeladen hat. Die Organisation hat von uns Farbe, Liegen, Gehhilfen und einen Kühlschrank erhalten. Danach bietet der Leiter des Roten Kreuzes Herr NDIONG uns das Abendessen im Hotel Rex an. Es gibt Lamm (ohne Inhalt) und Zwiebelsauce. Kerstin kommt bei diesem Essen eindeutig zu kurz: es gibt als Beilage nur trocken Brot!

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